Qualitätsdokumente für Zerspanungsteile: 3.1, FAI, PPAP

Stand 2026-11-03 · 7 Min. Lesezeit

Qualitätsdokumente für Zerspanungsteile sind die Nachweise, die eine Lieferung zur Bestellung in Beziehung setzen: ein Werkstoffzeugnis, in der Regel nach EN 10204 Typ 3.1, eine Konformitätserklärung, ein Messprotokoll, ein Erstmusterprüfbericht (FAI) und bei Automobilteilen ein PPAP- oder VDA-2-Paket. Jedes Dokument beantwortet eine andere Frage. Das Werkstoffzeugnis sagt, woraus das Teil ist, Messprotokoll und Erstmusterbericht sagen, was gemessen wurde, und das PPAP-Paket sagt, ob der Prozess das Ergebnis wiederholen kann.

Welche Qualitätsdokumente gehören zu Zerspanungsteilen?

Eine Bestellung mit dem Zusatz „mit Zeugnissen“ sagt nicht, welche gemeint sind. Die Dokumente in Tabelle 1 sind nicht austauschbar. Fehlt eines, fällt das meist bei der Wareneingangsprüfung auf, nachdem die Teile schon über eine Grenze gegangen sind.

Tabelle 1. Qualitätsdokumente für Zerspanungsteile: was jedes belegt, wer es ausstellt, wann es verlangt wird

DokumentWas es belegtAusgestellt vonVerlangt, wenn
EN-10204-Zeugnis Typ 3.1Der Werkstoff entspricht der Bestellung, mit Prüfergebnissen (Chemie, mechanische Eigenschaften) für die gelieferte ChargeHüttenwerk, Gießerei oder Wärmebehandler; bestätigt von dessen Prüfbeauftragtem, unabhängig von der ProduktionZeichnung oder Bestellung fordert Werkstoffrückverfolgbarkeit
Konformitätserklärung (CoC)Der Lieferant erklärt, dass die Lieferung Bestellung und Zeichnung entsprichtZerspanungsbetriebDie Bestellung führt sie auf, meist zu jeder Lieferung
MessprotokollMesswerte benannter Merkmale gegen die ZeichnungZerspanungsbetriebZeichnungsvermerk, Prüfplan oder Bestellung legt Merkmale und Stichprobenumfang fest
FAI-Bericht (AS9102-Format)Das erste Teil erfüllt jedes Merkmal der Zeichnung; Werkstoffe und Sonderprozesse sind erfasstZerspanungsbetriebErste Serienfertigung, Konstruktionsänderung oder Wechsel von Quelle bzw. Prozess
PPAP-Paket (AIAG)Der Fertigungsprozess kann maßhaltige Teile herstellen; 18 Elemente plus Teilevorlage (PSW)Lieferant an den AutomobilkundenDer Kunde verlangt eine Freigabe vor der Serienlieferung
PPA-Paket (VDA 2)Dieselbe Frage nach dem deutschen Verfahren, mit je Produkt vereinbartem UmfangLieferant an den AutomobilkundenDer Kunde arbeitet nach VDA 2

Quelle: EN 10204:2004; SAE AS9102C:2023; AIAG PPAP, 4. Auflage; VDA Band 2, 7. neu bearbeitete Auflage (Januar 2026).

Das Managementsystem-Zertifikat des Lieferanten (ISO 9001, IATF 16949, AS9100) ist etwas anderes. Es beschreibt den Lieferanten, nicht die Lieferung. Welches Zertifikat für Ihr Teil zählt, steht unter Welches Lieferantenzertifikat für Ihr Teil zählt.

Was belegt ein EN 10204-3.1-Zeugnis?

EN 10204:2004, „Metallische Erzeugnisse – Arten von Prüfbescheinigungen“, legt vier Dokumenttypen für die Lieferung metallischer Erzeugnisse fest, etwa Bleche, Stäbe, Schmiedeteile und Gussstücke. Die Ausgabe von 2004 ist am 20.10.2004 erschienen und war am 30.10.2026 die gültige Fassung.

Tabelle 2. Prüfbescheinigungstypen der EN 10204:2004

TypBezeichnungInhaltBestätigt von
2.1Übereinstimmungserklärung mit der BestellungErzeugnis entspricht der Bestellung; keine PrüfergebnisseHersteller
2.2WerkszeugnisÜbereinstimmung, dazu Ergebnisse nicht spezifischer PrüfungHersteller
3.1Abnahmeprüfzeugnis 3.1Übereinstimmung, dazu Ergebnisse spezifischer Prüfung des gelieferten ErzeugnissesPrüfbeauftragter des Herstellers, unabhängig von der Fertigungsabteilung
3.2Abnahmeprüfzeugnis 3.2Wie 3.1Unabhängiger Beauftragter des Herstellers und entweder der Beauftragte des Bestellers oder eine von amtlicher Stelle benannte Prüfperson

Quelle: EN 10204:2004, zusammengefasst bei Wermac und LRQA.

Spezifisch heißt: Geprüft werden die gelieferten Erzeugnisse oder die Einheit, aus der sie stammen. Ein Zeugnis 2.2 stützt sich auf nichtspezifische Prüfungen, also auf Prüfungen aus der laufenden Produktion des Herstellers. Werte für Ihre Charge enthält es damit nicht.

Für Zerspanungsteile zählen drei Grenzen.

Erstens beschreibt das Zeugnis den Werkstoff, nicht das Teil. Ob eine Bohrung im Toleranzfeld liegt oder ob nach dem Zerspanen eine Wärmebehandlung lief, steht dort nicht, solange die Bestellung das nicht zur geprüften Anforderung gemacht hat. Maße gehören in ein Messprotokoll oder einen FAI-Bericht.

Zweitens stellt das Zeugnis aus, wessen Prozess die Werkstoffeigenschaften bestimmt. Der LRQA-Leitfaden zur Norm beschreibt einen Lagerhändler, der Werkstoff nur sägt, bohrt, schleift oder dreht, als jemanden, der nicht hergestellt hat. Ein Zerspanungsbetrieb reicht deshalb das 3.1-Zeugnis von Hüttenwerk oder Gießerei weiter und ordnet es über Schmelz- oder Chargennummer jedem Teil zu. Eine Zeichnung, die vom Zerspaner ein „3.1-Zeugnis für das Fertigteil“ verlangt, braucht zuerst die Klärung, was geprüft wird und von wem.

Drittens verweisen ältere Zeichnungen manchmal auf Typen der Ausgabe von 1991. Die Ausgabe 2004 behielt 2.1, 2.2, 3.1 und 3.2 und strich 2.3 sowie 3.1.A, 3.1.B und 3.1.C. LRQA weist darauf hin, dass das Zeugnis mit unabhängiger Drittbeteiligung 1991 die Nummer 3.1 trug und seit 2004 Typ 3.2 ist. Fragen Sie den Einkäufer, welches der beiden er meint.

EN 10168:2004 listet die Angaben, die eine Prüfbescheinigung für Eisen- und Stahlerzeugnisse enthalten darf, mit einem Abschnittscode je Position. Ein 3.1-Zeugnis des einen Hüttenwerks liest sich damit wie das eines anderen. Auch diese Ausgabe war am 30.10.2026 gültig. Die vier Typen im Einzelnen erklärt der Leitfaden zu EN 10204.

Worin unterscheiden sich CoC und Messprotokoll?

Eine Konformitätserklärung ist die Aussage des Lieferanten, dass die Lieferung der Bestellung entspricht. ISO/IEC 17050-1:2004 regelt allgemeine Anforderungen an eine Lieferantenerklärung in jeder Branche, doch kein Standard schreibt das Layout einer CoC für ein Zerspanungsteil vor. Üblich sind Teilenummer und Revisionsstand, Bestellnummer, Menge, die Konformitätsaussage, Datum und Unterschrift. Eine CoC ist nur so belastbar wie die Belege dahinter. Messwerte enthält sie nicht, außer die Bestellung verlangt sie.

Das Messprotokoll liefert den Beleg. Es nennt die gemessenen Merkmale, die gefundenen Werte, die Messmittel und die Zahl der geprüften Teile. Zeichnung, Prüfplan oder Bestellung legen fest, welche Merkmale berichtet werden und wie viele Teile in die Stichprobe gehen. Ohne diese Vereinbarung kann „mit Messprotokoll“ ein Teil bedeuten oder alle. Was ein vollständiger Bericht enthält, steht unter Messprotokolle mit CMM-Daten und Cpk.

Was ist ein Erstmusterprüfbericht (FAI)?

Ein FAI-Bericht dokumentiert, dass die ersten Teile aus einem neuen Aufbau jedes Merkmal der Zeichnung erfüllen. Die Anforderungen stammen aus SAE AS9102C, „Aerospace Series, First Article Inspection Requirements“, veröffentlicht am 28.06.2023. Ein Normenhändler führt die Ausgabe als aktuell und als Nachfolger von AS9102B.

Der Bericht hat drei Formblätter. Formblatt 1 weist die Teilenummer aus und ordnet den Bericht dem Teil zu. Formblatt 2 erfasst das Produkt: Werkstoffe, Sonderprozesse und Funktionsprüfungen. Formblatt 3 listet jedes Merkmal der mit Balloons nummerierten Zeichnung und daneben das Messergebnis. Die Balloon-Nummern auf der Zeichnung müssen mit den Nummern auf Formblatt 3 übereinstimmen.

Sekundäre Zusammenfassungen zu AS9102 nennen die Auslöser: die erste Serienfertigung eines neuen Produkts, eine Konstruktionsänderung, ein Wechsel von Werkstoff oder Quelle, ein Wechsel von Prozess, Betriebsmittel oder Standort und eine Unterbrechung der Fertigung. Die Bestellung benennt für gewöhnlich den Auslöser. AS9102 ist eine Luftfahrtnorm und gilt außerhalb der Luftfahrt nur, wenn die Bestellung sie verlangt. Wie Sie das Format in anderen Branchen nutzen, erklärt der Leitfaden zur Erstmusterprüfung.

Was ist PPAP, und wie unterscheidet sich VDA 2?

PPAP, der Production Part Approval Process, ist das Verfahren der Automobilindustrie, das zeigt, dass der Prozess eines Lieferanten Teile herstellen kann, die alle Kundenanforderungen in Seriengeschwindigkeit erfüllen. AIAG gibt es heraus, und der AIAG-Katalog führt die 4. Auflage. Die kundenspezifischen Anforderungen von Ford, gültig ab 06.02.2025, sind auf diese Auflage geschrieben.

Ein vollständiges Paket hat 18 Elemente. Für Zerspanungsteile am unmittelbarsten relevant sind Konstruktionsunterlagen, das Prozessflussdiagramm, die Prozess-FMEA, der Prüfplan, die Messsystemanalyse, Maßergebnisse, Werkstoff- und Funktionsprüfungen, erste Prozessuntersuchungen, das Mustermaterial, Prüfhilfen und die Teilevorlage (Part Submission Warrant, PSW), die das Paket zusammenfasst und vom Lieferanten unterschrieben wird. Wie viel davon zum Kunden geht, hängt von der Einreichungsstufe ab, die der Kunde festlegt. AIAG definiert fünf Stufen.

Deutsche OEMs arbeiten häufig nach VDA Band 2 statt nach PPAP; das Verfahren heißt dort Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPA). Die 7. neu bearbeitete Auflage erschien im Januar 2026. Ihr Vorwort hält fest, dass der Umfang heute über die Risikoklasse des Produkts bestimmt wird und nicht über einen festen Katalog von Liefergegenständen, und dass die 6. Auflage (2020) die Einreichungsstufen abgeschafft hat. Ebenso steht dort, dass eine Harmonisierung mit AIAG PPAP diskutiert, aber nicht abgeschlossen wurde. VDA kennzeichnet den Band als unverbindliche Empfehlung; welches Verfahren gilt, entscheidet also der Vertrag zwischen Käufer und Lieferant. Anhang 2 von VDA 2 ordnet die Liefergegenstände den 18 PPAP-Elementen zu und markiert die, für die es keine direkte Entsprechung gibt. Die Einreichungsstufen behandelt der PPAP-Leitfaden für Tier-2-Lieferanten.

Welche Dokumente sollten in der Bestellung stehen?

Nennen Sie jedes Dokument mit Typ, Norm und Ausgabe, und sagen Sie dazu, wer es bestätigt. Eine Zeile wie „Werkstoffzeugnis EN 10204:2004 Typ 3.1, Schmelznummer auf jedem Teil, CoC zu jeder Lieferung, FAI-Bericht im Format AS9102C für das erste Los“ lässt keinen Spielraum. Für Automobilteile kommen die Auflage von PPAP oder VDA 2 und die Einreichungsstufe dazu.

Typische AbweichungEine Bestellung, die nur „Zeugnisse erforderlich“ schreibt, überlässt dem Lieferanten die Auswahl. Der Käufer merkt es, wenn ein 2.2-Zeugnis ankommt, wo ein 3.1-Zeugnis erwartet wurde. Klären Sie die Liste beim Angebot, nicht bei der Wareneingangsprüfung.

Unser Netzwerk liefert auf Anfrage EN-10204-3.1-Werkstoffzeugnisse, FAI-Berichte, CoCs und Messprotokolle; die Liste wird je Bestellung beim Angebot festgelegt. Wie wir mit dem auditierten Netzwerk in Bursa arbeiten, steht auf der Qualitätsseite.

Häufige Fragen

Was ist ein EN 10204-3.1-Zeugnis?
Eine Prüfbescheinigung, die bestätigt, dass der Werkstoff der Bestellung entspricht, mit Ergebnissen der spezifischen Prüfung der gelieferten Charge, etwa chemischer Analyse und mechanischen Prüfungen. Bestätigt wird sie von einem Prüfbeauftragten des Herstellers, der von der Fertigungsabteilung unabhängig ist.
Ist ein 3.1-Zeugnis dasselbe wie eine Konformitätserklärung?
Nein. Das 3.1-Zeugnis enthält Prüfergebnisse und wird von einem Prüfbeauftragten bestätigt, der unabhängig von der Produktion ist. Eine Konformitätserklärung (CoC) ist die Erklärung des Lieferanten, dass die Lieferung der Bestellung entspricht; Messwerte enthält sie nur, wenn die Bestellung sie verlangt.
Belegt ein 3.1-Zeugnis die Maße eines Zerspanungsteils?
Nein. Es dokumentiert den Werkstoff, meist über Chemie, Festigkeit und eine Schmelz- oder Chargennummer. Maße belegen ein Messprotokoll oder ein Erstmusterprüfbericht.
Worin unterscheiden sich FAI und PPAP?
Ein FAI-Bericht im AS9102-Format dokumentiert, dass ein erstes Teil jedes Merkmal der Zeichnung erfüllt und dass Werkstoffe und Sonderprozesse erfasst sind. PPAP ist das Freigabepaket der Automobilindustrie mit 18 Elementen; es zeigt, dass der Fertigungsprozess maßhaltige Teile wiederholbar herstellen kann.
Gilt AS9102 nur in der Luftfahrt?
Die Norm ist eine Luftfahrtnorm mit dem Titel Aerospace Series – First Article Inspection Requirements. Ein Einkäufer aus einer anderen Branche kann einen Bericht im AS9102-Format trotzdem in der Bestellung verlangen; dann gilt er, weil die Bestellung ihn festschreibt.

Quellen

  1. EN 10204:2004, Metallische Erzeugnisse, Arten von Prüfbescheinigungen (irischer Normenshop, Status aktuell)
  2. EN 10204-Zeugnistypen und Bestätigung (Wermac, Zusammenfassung der Norm)
  3. Understanding EN 10204:2004, Type 3.2 Certification (LRQA)
  4. EN 10168:2004, Stahlerzeugnisse, Prüfbescheinigungen, Liste der Angaben und Beschreibung (irischer Normenshop, Status aktuell)
  5. ISO/IEC 17050-1:2004, Konformitätsbewertung, Lieferantenerklärung, Teil 1 (SFS-Normenshop)
  6. SAE AS9102C:2023, Aerospace Series, First Article Inspection Requirements (irischer Normenshop, ersetzt AS9102B)
  7. AS9102-Formblätter und FAI-Auslöser (InspectionXpert, sekundäre Zusammenfassung)
  8. AIAG Quality Core Tools, PPAP-Handbuch, 4. Auflage (AIAG)
  9. Ford Customer-Specific Requirements für AIAG PPAP, 4. Auflage, gültig ab 06.02.2025 (IATF Global Oversight)
  10. VDA Band 2, Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPA), 7. neu bearbeitete Auflage, Januar 2026 (VDA QMC)

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